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Seit 2014 werden sie auch in Deutschland angeboten: Sogenannte Robo-Advisor, die auf Basis von Algorithmen Anlagevorschläge machen. Hinter diesen Online-Systemen stecken alteingesessene Banken oder "Fintechs", frische Firmen mit neuen Finanzmarkt-Technologien.

Lesen Sie hier, wie Robo-Advisor funktionieren und wie Sie als Anleger die künstliche Intelligenz für Ihr Portfolio arbeiten lassen. Erfahren Sie auch, ob Sie der Anleger-Typ sind, der von einem Robo-Advisor profitieren würde.

 

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Schritt 1: Anmeldung beim Robo-Advisor

Die Anmeldung beim Robo-Advisor funktioniert ganz ähnlich wie das Eröffnen eines Online-Depots. Sie müssen einige Fragen zu Anlageverhalten und Finanzwissen beantworten und werden dann einem Risikotyp zugeordnet. Manche Robos verlangen ein Mindestvolumen des Depots.

 

Kosten der Robo-Advisor

Die laufenden Kosten für den Robo-Service beginnen bei 0,15 Prozent des Anlagebetrages, können je nach Anbieter auf über 1 Prozent (pro Jahr!) steigen, oft gestaffelt nach Anlagesumme. Hinzu kommen bei manchen Robos Gewinnbeteiligungen.

 

Oft gilt: Anleger mit größeren Depots profitieren von niedrigeren Kosten.

 

Unsere Einschätzung: Schon der mittlere Wert, Robo-Kosten von ca. 0,5 Prozent des Depotvermögens pro Jahr, bedarf zur Finanzierung eigentlich eines hohen Aktienanteils im Depot (ab 50% aufwärts). Bei Aktienquoten, die darunter liegen, lohnt der Service des Robos womöglich nicht mehr.

Hinzu kommen natürlich die Kosten der Anlageprodukte, bei ETF in der Regel zwischen 0,2 und 0,4 Prozent pro Jahr.

 

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Service-Stufen der Robos

Der Grad der "Arbeitsabnahme" im Prozess der Geldanlage schwankt von Robo zu Robo. Man kann grob die folgenden Leistungen unterscheiden:

  1. Vollständige Vermögensverwaltung des Robos
    Sie als Anleger richten das Depot einmal beim Robo-Advisor ein und der Robo nimmt alle Anpassungen auf Basis Ihrer Einstellungen und seines Programms selbsttätig vor. Kauft und verkauft sogar eigenständig. Diese Robos werden deswegen auch von der Finanzaufsicht Bafin überwacht.

  2. Robo schlägt Portfolioänderungen vor, Sie müssen (nur) noch zustimmen
    Auch hier wird das Depot vom Robo-Advisor-Anbieter geführt.

  3. Robo ist reiner Tippgeber, Sie müssen die Geldanlage selbst tätigen
    Manchmal wird Ihnen auch die Suche und Auswahl eines Fonds überlassen. Sie müssen ein eigenes Depot führen. Bei diesen Robos behält man als Anleger die volle Kontrolle, hat aber auch am meisten Arbeit.


Robo-Advisor im Test

Finanztest hat sich im Januar-Heft 2017 den Robo-Advisors angenommen. Es wurde kein eindeutiger Testsieger gekürt. Stattdessen immer wieder der Hinweis: Der Markt ist in starker Bewegung, eine Prognose des Anlageerfolges ist schwer möglich. Im Testbericht finden sich lediglich Kommentare zu den Anlagestrategien der einzelnen Anbieter.

Anders die Seite robo-advisor.de. Die Website listet momentan 13 deutsche Robo-Advisor im Test und liefert konkrete Empfehlungen für verschiedene Portfoliogrößen und Risikoklassen.

 

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Investitionsfelder der Robos

Anlageklassen

Die meisten Robos setzen ihre Portfoliovorschläge ausschließlich aus kostengünstigen ETF zusammen. Einige wenige mischen aber auch gemanagte Aktienfonds oder andere Geldanlageprodukte wie Rohstoffe etc. in Ihre Vorschläge.

Sie finden die Anlageklassen der Robos auf der jeweils zugehörigen Anbieter-Webseite.


Auswahl der Empfehlungen

Die meisten Robo-Advisor bauen auf regelbasierte Finanz-Modelle zur Bestimmung der Portfolioempfehlungen oder auf passiven Modellen, in denen die Assets vorgeschrieben werden. Im Grunde genommen geht es um Ertragsmaximierung bei vorgegebener (auf Basis der Startbefragung) Risikostruktur.

 

Wer sich näher für dieses Thema interessiert, dem sei die Seite prof-soehnholz.com empfohlen, der ebenfalls eine eigene Robo-Advisor-Firma gegründet hat.

 

Grad der Depotumwälzung

Bei den meisten Robos findet einmal jährlich ein Rebalancing des Depots statt. Hierbei wird geprüft, ob die Aufteilung der Geldanlage weiterhin in die Risiko-Range des Anlegers passt.

Einige Robos mit komplexerer Technologie (z.B. Scalable Capital, Whitebox*) schichten das Anlageportfolio abhängig von der Marktentwicklung um. “Für mich macht ein Robo-Advisor nur dann Sinn, wenn er aktiv umschichtet: das kann ein kleiner Privatanleger nämlich nicht leisten”, so Niklas Vogt von Robo-Advisor.de.

 

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Rendite-Einordnung der Robo-Advisors

Ein eigenständig diversifiziert verwaltetes Portfolio aus Tagesgeld, Festgeld und ETF-Empfehlungen wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren eine höhere Rendite erzielen als ein Robo-Advisor-Portfolio. Dies liegt an zwei Gründen:

  1. Der Service der Robos will meist bezahlt werden, das schmälert die Rendite.
  2. Fast alle Robos nehmen Rentenfonds in die Auswahl mit hinein. Wenn die Zinsen ansteigen, werden diese teilweise sogar Verluste in Kauf nehmen müssen, was dann die Rendite des Gesamtportfolios drückt.

So zeigt auch ein Test von robo-advisor.de: Ein klassischer ETF-Sparplan bietet (zum Teil) bessere Renditen als die Geldverwaltung durch Robo-Advisor. “Das Problem der Robo-Advisor: sie berechnen – genau wie die von ihnen kritisierte Zunft [Anm. der Redaktion: gemeint sind die aktiv gemanagten Vermögen/Fonds] – relativ hohe Gebühren, welche die Rendite schmälern”, so Niklas Vogt von robo-advisor.de.

Zudem sind Prognosen über den Anlageerfolg der Robos schwer möglich. Laut einem Artikel in Capital (März 2016) sollen die Robos turbulente Börsenzeiten ganz gut meistern, aber für eine Beurteilung ist es (für die in Deutschland angebotenen Systeme) noch zu früh.

 

Rechnen Sie selbst

Die Zusammenstellung eines eigenen ETF-Portfolios ist mit unseren Empfehlungen leicht möglich. Wie sich die Gebühren der Robos von im Schnitt rund 0,6 Prozent Ihr Vermögen nach 10 oder 20 Jahren auswirkt, können Sie mit unserem Anlagerechner ganz einfach selbst für Ihren Anlagebetrag ausrechnen:

Geben Anlagebetrag und Ihre Renditeprognose für ein ETF-Portfolio (5-6 % pro Jahr halten wir auf längere Sicht für durchaus realistisch) einmal ohne Robo-Gebühren ein und einmal mit diesen Kosten (indem Sie von der erwarteten ETF-Rendite beispielsweise 0,5 Prozent abziehen). Da kommt je nach Laufzeit eine erhebliche Differenz heraus ...

Wahlweise kann eine einmalige Einzahlung mit einer monatlichen Sparrate beliebig kombiniert werden. Monatliche Sparrate oder Einmaleinzahlungen können auch bei 0 belassen werden.

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Alle Angaben ohne Gewähr! Die Berechnungen können von denen der Banken abweichen.

Möchten Sie diesen Rechner für ihre eigene Website? Ganz kostenlos? Gerne! Hier geht es zu den Infos.

 


Robo-Advisor – nur für Anlageprofis?

Manche der Anbieter-Beschreibungen sind schon sehr technisch. Sie sollten sich darum (ein wenig) mit Geldanlagen, insbesondere Fonds, auskennen, wenn Sie ein Konto bei einem Robo-Advisor eröffnen.

Zudem wollen die Vorschläge der Robos hinsichtlich des Risiko-Chancen-Profils beurteilt werden. Ein Beispiel: Rentenfonds mit Fremdwährungsanleihen, wie von manchen Robos empfohlen, sind für uns unnötig riskant.


Insolvenz-Gefahr?

Wenn die Robos Ihr Geld in ETF anlegen, ist dieses als Sondervermögen auch bei einer Pleite des Fintechs (Robo-Anbieter) geschützt. Übrigens auch, wenn die Fondsgesellschaft bankrott geht.


Hauseigene Geschäfte

Zweifel an der Unabhängigkeit der Empfehlungen eines Robo-Advisors kann aufkommen, wenn der Robo konzerneigene ETF empfiehlt. Laut Finanztest 1 / 2017 kommt das z.B. bei fintego im Bereich Aktien und Rohstoffe vor und die Vorschläge von maxblue oder .comdirect kommen manchmal aus dem eigenen Konzern. Mehrere Anbieter empfehlen Anlagen, für die sie Provisionen erhalten. Diese werden (meist) jedoch klar offen gelegt.

 

Die Zukunft

Der Robo-Advisor-Markt ist in starker Bewegung. Fast monatlich kommen neue Anbieter hinzu oder alte Robos verändern ihr Vorgehen. Jede Beurteilung ist von daher nur eine Momentaufnahme.

 

Unser Fazit

Wer sich aber nicht die Mühe der Eigenverwaltung der Geldanlage machen will, kann bei Robos eine guten Kompromiss aus Chancen, Kosten und Arbeitsersparnis finden.

Wir halten ein selbst zusammengestelltes ETF-Portfolio mittels eigenem Online-Depot (viele ETF gibt es momentan günstig bei flatex*, empfohlen werden auch die Depots von Onvista* und der Consorsbank) für eine etwas arbeitsintensivere, dafür renditeträchtigere Alternative.

 

Robo-Advisor-Anbieter

Folgende Firmen bieten Robo-gestützte Anlageberatung an:

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