Jeder Fünfte wechselt nach der Ausbildung den Beruf
Laut IAB-Studie bestimmen die erlernten Berufe in hohem Maße die
Wahrscheinlichkeit, in eine neue Tätigkeit zu wechseln. So finde zum
Beispiel in Lehrberufen mit geringen Kosten für die Betriebe häufig
eine Ausbildung über Bedarf statt, da die Azubis dort in der Regel als
preisgünstige Arbeitskräfte eingesetzt werden können. In der Folge
stünden den Absolventen nicht genügend Arbeitsplätze im erlernten Beruf
zur Verfügung und Berufswechsel seien deshalb unausweichlich. Sei die
Ausbildung eher kostenintensiv und auf den Fachkräftebedarf des
jeweiligen Betriebs ausgerichtet, werde das Berufswechselrisiko von
vornherein verringert.
"Jugendliche, die vom Ausbildungsbetrieb nicht übernommen werden,
verlassen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit den erlernten Beruf
als übernommene Absolventen", schreibt IAB-Arbeitsmarktforscher Holger
Seibert in der Studie. Verstärkt werde dieser Effekt, wenn die
Absolventen nach dem Verlassen des Betriebs nicht nahtlos eine neue
Beschäftigung finden, denn jeder Monat Arbeitslosigkeit entwerte ihren
Ausbildungsabschluss.
Die Folgen eines Berufswechsels seien in den letzten drei Jahrzehnten
im Wesentlichen unverändert geblieben: Je weiter der erlernte vom
aktuell ausgeübten Beruf inhaltlich entfernt sei, desto höher sei das
Risiko, "unterwertig" beschäftigt zu sein - also nicht als
Facharbeiter, sondern als Un- und Angelernter. Dies zeige, dass der
deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor in hohem Maße beruflich gegliedert
sei. Die These einer zunehmenden "Entberuflichung" bestätige sich
zumindest für den Übergang von der Ausbildung in die erste
Beschäftigung nicht, so Seibert.
Es falle aber auf, dass seit Ende der 90er Jahre unterwertige
Beschäftigung nach der Ausbildung deutlich zugenommen habe - und zwar
unabhängig davon, ob der Ausbildungsberuf verlassen wurde oder nicht.
Eine Ursache dafür sei der Beschäftigungsrückgang in zahlreichen
gewerblichen Berufen, insbesondere in der Metall- und Baubranche sowie
im Handwerk.
(Quelle: idw - Informationsdienst Wissenschaft, 19.01.2007)
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