Jury wählt das Unwort des Jahres 2008: "Notleidende Banken"



Frankfurt, 20. Januar 2009: Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als säßen die Vorstandsvorsitzenden der größten Banken nun in den Fußgängerzonen mit dem Bettelhut und einem leidenden Gesichtsausdruck. Fantastilliarden an Geld wurden in wilden Anlagen verzockt, die mehr mit einem Spielcasino denn mit seriöser Geldanlage zu tun hatten. Nun rutscht die Weltwirtschaft in eine Krise, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr da war und die Banken schreien lauthals nach dem Staat. Für die Zockerei muß nun der Steuerzahler gerade stehen. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren, postmoderner Bankensozialismus. Die Verursacher des Schlamassels, die Banken, jammern hingegen und werden als die eigentlichen Opfer medial dargestellt. Eine Jury aus Sprachwissenschaftlern hat daher nun den Begriff "notleidende Banken" zum Unwort des Jahres 2008 erklärt.

Das "Unworts des Jahres" wird zum 18. Mal gewählt. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion bereits 1991. Mehr als 2000 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland, auch aus Übersee hatte sich mit 1.129 verschiedenen Vorschlägen beteiligt. Verwertet wurden auch die Ergebnisse eigener Unwort-Sammlungen, unter anderen eines Leserforums der "Rheinischen Post".

Der Jury für das Unwort des Jahres 2008 gehörten an: die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), der Sprecher der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Vertreter der Sprachpraxis war diesmal der Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" Sergej Lochthofen (Erfurt).

Das Börsen-Unwort des Jahres 2008, gekürt von der Börse Düsseldorf, lautet: "Leerverkauf". Dieser Begriff sei irreführend, weil er befürchten lasse, dass Leerverkäufe ohne jeden "Inhalt" vonstatten gehen könnten. Jeder Verkäufer aber müsse das Wertpapier, gegebenenfalls ein ausgeliehenes, im Depot haben, weil er am Kassamarkt binnen zweier Tage seiner Lieferverpflichtung gegenüber dem Käufer nachkommen müsse, so die Börsianer.

Ganz im Zeichen des Geldes also dieses Jahr die Wahl der Unwörter an der Börse und in Gesellschaft und Politik.

Quelle: http://idw-online.de/

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