Mehrwertsteuererhöhung dient unterm Strich nur der Haushaltskonsolidierung
Die
Einnahmen aus der Mehrwertsteuererhöhung dienen gemäß dem
Haushaltsbegleitgesetz 2006 zu zwei Dritteln der
Haushaltskonsolidierung und zu einem Drittel der Beitragssenkung bei
der Arbeitslosenversicherung. Die zusätzlichen Steuermittel, die der
Arbeitslosenversicherung zugute kommen, wurden aber dem IAB zufolge in
fast gleicher Höhe bei der Renten- und Krankenversicherung gekürzt. Die
Sozialversicherungen insgesamt würden damit nicht mehr Geld aus Steuern
erhalten, die bisherigen Zuwendungen nur anders auf die einzelnen
Zweige verteilt. Damit könne zwar die Bundesagentur für Arbeit ihren
Beitragssatz um einen Prozentpunkt senken. Gleichzeitig würden aber die
Rentenversicherungsträger ihre Beitragssätze um 0,4 Prozentpunkte und
die gesetzlichen Krankenversicherungen um mindestens 0,5 Prozentpunkte
erhöhen. Bezogen auf die Beitragssätze aller Sozialversicherungen
ergäbe sich also ein Nullsummenspiel, schreibt die
Arbeitsmarktforscherin Sabine Klinger. Eine Entlastung bei den
Sozialabgaben trete nur ein, weil die Bundesagentur für Arbeit weitere
1,3 Prozentpunkte ihrer Beitragssatzsenkung aus eigener Kraft
finanziere.
Deutlich gebremste Beschäftigungsentwicklung
Die Simulationsstudie des IAB zeigt, dass die vollständige Verwendung
der zusätzlichen Mehrwertsteuer-Einnahmen für die
Haushaltskonsolidierung Wachstum und Beschäftigungsentwicklung zunächst
deutlich bremst. Die Mehrwertsteueranhebung verursacht einen Ausfall an
privater Nachfrage, da die Kaufkraft der verfügbaren Einkommen sinkt.
Ohne die Mehrwertsteueranhebung würde die Beschäftigung nach einem Jahr
um fast 130.000 und nach drei Jahren um fast 190.000 Personen höher
ausfallen, hat das IAB errechnet.
Langfristig gingen von einem geringeren Schuldenstand des Staates
jedoch auch positive Wirkungen auf den Arbeitsmarkt aus, so das IAB.
Ein Grund dafür liege in einer geringeren Steuerquote und damit
geringeren Kosten, die zu höheren Investitionen führen würden. Dazu
trage auch die zunehmende Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik bei, die
einerseits das Vertrauen der Wirtschaft stärke und andererseits die
Handlungsfähigkeit des Staats erhalte.
Würde die Regierung die Zusatzeinnahmen aus der Mehrwertsteuererhöhung
dagegen ausschließlich dafür nutzen, die Sozialabgaben zu senken,
könnte die Beschäftigung sofort erhöht werden. Nach drei Jahren würde
der Beschäftigungsgewinn gegenüber dem Referenz-Szenario rund 180.000
Personen betragen, errechnete die IAB-Forscherin Klinger.
(Quelle: idw - Informationsdienst Wissenschaft, 02.01.07)
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