Mobile Marketing
(K.P.) Mit der Fußball-Weltmeisterschaft hat Mobile Marketing in Deutschland einen ordentlichen Schub erhalten. Doch wo steht Deutschland im internationalen Vergleich? Wie sehen die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren dieses Konzepts aus? Wie kann das Mobiltelefon in integrierten Kampagnen zur Kundengewinnung und -bindung eingesetzt werden? Diesen Fragen stellen sich internationale Branchenexperten auf der 7. Konferenz Mobile Commerce Technologien und Anwendungen (MCTA), die am 29. und 30. Januar in Augsburg stattfindet.
Mobile Marketing etabliert sich langsam, aber sicher
Ständige Erreichbarkeit der Kunden, Personalisierung, Interaktivität,
Emotionalisierung und Lokalisierung sind die Zauberwörter der
Mobile-Marketing-Anhänger. Spam, Verlust der Privatsphäre und
Missbrauch von Kundendaten erwidern Verbraucherschützer und kritische
Kunden. Trotz dieser Kritik hat sich das Mobiltelefon bei vielen großen
Marken bereits als neuer Marketingkanal etabliert. Die Motivation für
einen verstärkten Einsatz von Mobile Marketing liegt laut Dietmar
Wiedemann, Mobile-Marketing-Experte an der Universität Augsburg, in der
klassischen Werbung, die sich aus seiner Sicht als zunehmend
wirkungslos entpuppt. Gründe dafür sieht Wiedemann u. a. im Information
Overload und in der negative Einstellung der Konsumenten gegenüber
Werbung. Eine Studie der Marktforscher von Outsell gibt ihm Recht. So
verlieren TV, Radio und Print auf dem Werbemarkt Anteile im Schnitt
zwischen 2,4 und 3,3 Prozent. Der Anteil von Mobile Marketing am
Werbekuchen sei zwar derzeit mit 1,8 Prozent noch sehr gering, man
erwarte jedoch deutliche Zuwächse. "Die Vorteile von Mobile Marketing
liegen auf der Hand", so Wiedemann, "Neben relativ geringen Kosten der
zielgenaue Kampagnen können wertvolle Kundendaten gewonnen und die
Response eindeutig gemessen werden. Weiterhin bietet das Medium
Möglichkeiten zum viralen Marketing." Hierbei ist die Weiterleitung von
mobilen Werbebotschaften innerhalb der Zielgruppe gemeint.
Deutschland liegt im internationalen Vergleich zurück
Im internationalen Vergleich ist die Kundenakzeptanz mobiler Werbung
hierzulande relativ gering. Laut einer aktuellen Studie des
Marktforschungsunternehmens M:Metrics reagieren lediglich 3,4 Prozent
der Deutschen auf Werbung mit dem Verschicken einer SMS. "Stellt man
diese Responsewerte jedoch anderen Direkt-Marketing-Maßnahmen
gegenüber, ist dies dennoch überaus beachtlich", so Wiedemann. Führend
sind die Spanier mit 29,1 Prozent, dann die Briten mit 18,5 Prozent,
die Franzosen mit 10,1 Prozent und die US-Amerikaner mit 7,0 Prozent.
Das Fernsehen ist als "Trigger-Medium" zur Einleitung einer mobilen
Kampagne vor Radio, Magazinen und Tageszeitungen führend. Mobile
Gewinnspiele, die meist mittels Kurzwahlnummern realisiert werden,
haben die größte Bedeutung, wenn es um den Kundenmehrwert in einer
Kampagne geht. Auch hier weisen die Spanier mit 17,8 Prozent die
höchsten Werte auf. Es folgt Großbritannien mit 10,6 Prozent,
Frankreich mit 5,5 Prozent und die USA mit 2,5 Prozent. Deutschland ist
wiederum Schlusslicht mit nur 1,6 Prozent. Wiedemann, der in der
Augsburger Arbeitsgruppe Mobile Commerce den Bereich B2C leitet, ist
über diese Zahlen nicht verwundert und zieht einen Vergleich zum
allgemeinen Mobile-Commerce-Markt. "Die Deutsche bevorzugen im
Gegensatz zu anderen Nationalitäten klar die klassischen
Funktionalitäten des mobilen Endgeräts, wie Telefonieren, SMS, Wecker
und Terminkalender. Bis auf Klingeltöne konnte sich in Deutschland noch
keine der um das Jahr 2000 gerühmten 'Killerapplikationen' im
B2C-Bereich durchsetzen."
Mobile Marketing benötigt Standards
Laut einer kürzlich von der Augsburger Arbeitsgruppe Mobile Commerce
durchgeführten Studie mit Vertretern von klassischen Werbeagenturen
werden die Chancen des neuen Mediums von den Befragten klar erkannt,
insbesondere weil sich die technischen Möglichkeiten in letzter Zeit
enorm verbessert haben. Jedoch existieren immer noch Hemmnisse, die
Mobile-Marketing-Kampagnen mit Erfolgsrisiken für die Auftraggeber
behaften. Wiedemann nennt hier beispielsweise die mangelnde
Standardisierung im Bereich mobiler Anwendungen und damit auch im
Mobile Marketing. Dies führe zu enormen Entwicklungs- und
Pflegeaufwänden, wenn unterschiedliche Gerätetypen unterstützt werden
sollen. Weiterhin fehlt es in der Werbebranche noch an einem klaren
Begriffsgerüst. "Ganz besonders am Herzen liegt uns die Erarbeitung von
Verhaltensregeln zum Schutz des Konsumenten, eines so genannten 'Code
of Conduct'. In Kombination mit einer konsequenten
Öffentlichkeitsarbeit wird dies dem Mobile Marketing eine neue Qualität
verleihen", so Roland Tauchner, Vorstand der Mobile Marketing
Association (MMA) Austria und Geschäftsführer des Mobile Marketing
Spezialisten DIMOCO. "Wir von der MMA sind bestrebt, die einen
entsprechenden Standard beim Einsatz von Mobile Marketing zu schaffen",
so Tauchner weiter. Die amerikanische MMA Global sei hier schon
deutlich weiter. So werde in Übersee derzeit in insgesamt 14 Gremien
mit unterschiedlicher Ausrichtung das Thema inhaltlich vorangetrieben.
Eine MMA Germany existiert bislang nicht.
(Quelle: idw - Informationsdienstwissenschaft, 11.01.2007)
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