Schaeffler will Continental übernehmen – Familienübernehmen contra AG

Es handelt sich um eine selten beachtete und doch die deutsche Wirtschaft tragende Spezies: die Familienunternehmen. Während der letzten 10 Jahre schaltete in vielen Firmenzentralen die Gier den Verstand aus. Kurzfristige Kursanstiege und Profitmaximierungen zur Befriedigung der „Shareholder“ standen im Vordergrund der Unternehmensphilosophien. Hingegen machen diese börsennotierten oft mulitnationalen Riesen gar nicht die Mehrheit der Wertschöpfung, des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland aus. Es sind die Familienunternehmen, die 50&% des BSP erwirtschaften und in denen 70% der Arbeitsplätze angesiedelt sind.

 

Jüngstes Beispiel ist der Übernahmeversuch des fränkischen Familienunternehmens Schaeffler: Man will den Reifenhersteller Continental aufkaufen bzw. nach den jüngsten Verlautbarungen bot man knapp 70 Euro/Aktie an, um eine 30%iges strategische Anteilseignerschaft zu erwerben. Das mit einer Marktkapitalisierung von rund 12 Milliarden Euro kerngesunde DAX-Unternehmen ist kein leicht zu schluckender Brocken und verlangt einen hohen Kapitaleinsatz, den Schaeffler offenbar aufbringen kann.

 

 
Forschung an der Uni Witten/Herdecke zu Familienunternehmen  

Der Unterschied zwischen Familienunternehmen und DAX-Konzernen ist auch Gegenstand der Forschung am Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke. Die Wissenschaftler hatten über mehrere Jahre die Ergebnisse, den wirtschaftlichen Erfolg und die Arbeitsplätze von Unternehmen wie Merck, Oettker oder Haniel mit gleichgroßen der DAX-Unternehmen verglichen: Die von Familien geführten Konzerne waren erfolgreicher, schufen mehr Arbeitsplätze und die Mitarbeiter blieben 2-3 mal länger in den Betrieben als in vergleichbaren börsennotierten Firmen. Der Grund: die privat geführten Unternehmen wurden nicht von den Aktieninhabern zu kurzfristigen Gewinnausschüttungen gezwungen und können längerfristig und mit mehr Vorausschau planen.

Alte Tugenden wieder entdecken

In den Zeiten der Nationalökonomien, wie sie bis in die 80er Jahre vorherrschten, gab es noch den klassischen Unternehmertyp, der nicht nur der Gewinnmaximierung sondern auch der Wertbeständigkeit, den sozialen Belangen der Mitarbeiter und der langfristigen Planung verpflichtet war. Dieser Typus verschwand aus dem Blickfeld in den Zeiten boomender Aktienmärkte und einer insbesondere durch den angelsächsischen Wirtschaftsraum vorangetriebenen sogenannten Globalisierung. Das US-amerikanische Verschuldungssystem war jahrelang der Götze der angebetet wurde. Nun, da den Betreibern desselben das ganze auf die Füße zu fallen droht (Bankenkrise in den USA), besinnt man sich wieder auf die herkömmlichen Unternehmensformen.

Denn: nicht alles was alteingesessen und bewährt war, ist schlecht. Vielleicht sollten sich die deutschen Unternehmen wieder mehr der alten Tugenden erinnern: Finanzielle Solidität, Weitsicht und verantwortliches Unternehmertum.

 

Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news271304

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