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Keine Angst vor Schenkungs- und Erbschaftssteuern

Am einfachsten verdienen Sie Ihr Geld dort, wo Sie keines ausgeben. Jeden Euro, den Sie sparen, brauchen Sie nicht zu verdienen. Dieses Ziel sollte auch Richtschnur sein, wenn Sie als potentieller Erblasser Ihren Nachlass gestalten. Wenn Sie die Freiräume nutzen, die Ihnen das Schenkungs- und Erbschaftssteuerrecht bietet, profitieren Sie und natürlich Ihre potentiellen Erben von erspartem Geld.

 
 

"Moral ist gut, Erbschaft ist besser."

Theodor Fontane (1819 – 1898), deutscher Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker; Quelle:  Briefe

Punkt 1

Schenkungen und Erbschaften sind steuerlich gleichgestellt

Das Schenkungs- und Erbschaftssteuerrecht gewährt für Schenkungen zu Lebzeiten und Erbschaften die gleichen Steuerfreibeträge. Schenkungs- und Erbschaftssteuern sind im gleichen Gesetz geregelt. Um das Wichtigste gleich vorwegzunehmen:

Sie dürfen die Steuerfreibeträge alle zehn Jahre aufs Neue nutzen.

So können Sie Vermögenswerte gezielt übertragen, ohne Steuerlasten fürchten zu müssen.

Punkt 2

Wie werden Schenkungen und Erbschaften besteuert?

Das Schenkungs- und Erbschaftssteuergesetz teilt die Begünstigten einer Schenkung oder Erbschaft sowie eines Vermächtnisses in die Steuerklassen I, II und III ein. Die Steuerklasse I ist die günstigste, III die schlechteste Steuerklasse. Verwechseln Sie diese Steuerklassen nicht mit Ihrer Lohnsteuerklasse.

Die Steuersätze liegen je nach Steuerklasse zwischen 7 – 50 %. Bei einem Wert der Schenkung oder eines Erbes bis 75.000 € fallen

  • in der Steuerklasse I = 7 % (= 5.250 €),
  • in II = 15 % (= 11.250 €) und
  • in III = 30 % (= 22.500 €)

Steuer an. Bei 300.000 € sind es in

  • Steuerklasse I = 11 % (= 33.000 €),
  • in II = 20 % (= 60.000 €) und
  • III = 30 % (=90.000 €)

Steuer. (Stand August 2019, alle Angaben ohne Gewähr)

Je nachdem, wie Sie mit der begünstigten Person verwandt sind, gewährt das Steuerrecht unterschiedlich hohe Freibeträge. Nur Vermögenswerte, die die Freibeträge übersteigen, unterliegen der Steuerpflicht. Außerdem profitieren Sie von Versorgungsfreibeträgen und Steuerbefreiungen.

  • Ihr Ehepartner (Steuerklasse I) genießt einen steuerlichen Freibetrag von 500.000 €. Gleiches gilt für eingetragene Lebenspartner.
  • Kinder und, wenn diese bereits verstorben sind, Enkel, haben einen Freibetrag von 400.000 € (Steuerklasse I).
  • Ihr Enkel, dessen Vater oder Mutter noch lebt (zugleich Ihr Kind) erhält 200.000 € frei Haus (Steuerklasse I).
  • Für alle übrigen Erben gilt ein Freibetrag von 20.000 €. Dies betrifft auch Lebensgefährte, die nicht verheiratet sind.

 Punkt 3

"Eine Erbschaft hat das Beruhigende: man braucht nicht undankbar dafür zu sein."

Emanuel Wertheimer (1846 - 1916), deutsch-österreichischer Philosoph

Wie ist das mit dem Familienwohnheim?

Schenken Sie Ihrem Ehepartner zu Lebzeiten Ihr Familienwohnhaus oder Ihren Anteil daran, bleibt die Schenkung steuerfrei, sofern der Partner zehn Jahre lang selbst darin wohnen bleibt. Gleiches gilt für Schenkungen und das Vererben an Kinder und Enkel, deren Eltern nicht mehr leben, allerdings mit der Einschränkung, dass die Wohnfläche 200 m² nicht übersteigt. Übersteigt die Wohnfläche 200 m², ist lediglich der überschreitende Teil zu versteuern.

Der Vorteil wirkt sich vor allem dann aus, wenn Sie zusätzliche Vermögenswerte besitzen, die die Steuerfreibeträge übersteigen. Sie können dann im Hinblick darauf, dass Sie die Steuerfreibeträge im Zehn-Jahresrhythmus immer wieder neu nutzen können, gezielt Vermögenswerte steuerfrei übertragen. Solange Sie das Haus weiterhin selbst bewohnen, lassen Sie sich ein lebenslanges Wohnrecht ins Grundbuch eintragen.

Punkt 4

Welche Steuerbefreiungen gibt es?

Sie können Ihrem Ehepartner (Steuerklasse I) zusätzlich Hausrat bis 41.000 € sowie andere bewegliche Gegenstände, beispielsweise Kunstgegenstände oder Sammlungen, Pkw und Schmuck bis zu Werten von 12.000 € steuerfrei hinterlassen. In den Steuerklassen II und III beträgt der Freibetrag für Hausrat 12.000 €.

Zur Frage "Vermögenswerte zu Lebzeiten an Kinder übertragen - was spricht dafür, das dagegen?" gibt der folgende 17-Minuten-Podacast wertvolle Tipps und Empfehlungen:

Punkt 5

Wer eine Erbschaft übernommen,
Hat für die Schulden aufzukommen,
Denn nicht umsonst ist der Genuß.
Kein Leugnen gilt, kein Widerstreben,
Wir müssen sterben, weil wir leben.
So lautet der Gerichtsbeschluß.

Wilhelm Busch (1832 - 1908)

Was sind Versorgungsfreibeträge?

Planen Sie Ihren Nachlass, sollten Sie im Hinblick auf die steuerliche Gestaltung Ihres Nachlasses auch die Versorgungsfreibeträge im Blickfeld haben. Ihrem überlebenden Ehegatten steht ein Versorgungsfreibetrag bis zu 256.000 € zu. Kindern wird dieser Freibetrag altersabhängig in gestaffelter Höhe bis zum Lebensalter von 27 Jahren gewährt. Die Freibeträge können in voller Höhe beansprucht werden, sofern der Angehörige keine weiteren steuerfreien Versorgungsbezüge wie Witwen- oder Waisenrente bezieht.

Punkt 6

Was ist der Pflegefreibetrag?

Werden Sie von Kindern oder Enkelkindern gepflegt, dürfen diese aus Ihrem Nachlass bis zu 20.000 € als Pflegefreibetrag steuerfrei erhalten.

Punkt 7

"Geizhälse: die Plage ihrer Zeitgenossen, aber das Entzücken ihrer Erben."

Theodor Fontane (1819 - 1898), deutscher Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker

Was sollte ich vorsorglich tun?

Testament ja oder nein? Als potenzieller Erblasser haben Sie zwei Optionen: Sie können es bei der gesetzlichen Erbfolge hinterlassen oder Sie gestalten Ihre Nachfolge in einem Testament oder in einem Erbvertrag. Sie sollten auf jeden Fall testamentarisch vorsorgen, …

  • wenn Sie das Gefühl haben, dass die gesetzliche Erbfolge Ihren persönlichen Vorstellungen und Wünschen nicht angemessen gerecht wird,
  • wenn Sie Ihnen besonders nahestehende Menschen gut versorgt wissen wollen,
  • wenn Sie alleinstehend sind, keine Angehörigen und kein Interesse daran haben, dass der Staat als gesetzlicher Erbe „letzten Grades“ Ihren Nachlass in Beschlag nimmt,
  • wenn Sie in einer Patchworkfamilie leben und Ihre Kinder aus erster Ehe oder Ihre Stiefkinder angemessen am Nachlass beteiligen möchten,
  • wenn Sie verdiente Bekannte oder gemeinnützige Projekte unterstützen möchten,
  • wenn Sie Vermögenswerte im Ausland besitzen und gewährleisten wollen, dass Ihr Nachlass einheitlich nach deutschem Erbrecht abgewickelt wird.

Punkt 8

Beachten Sie die Form des Testaments!

  1. Wichtig ist, dass Sie Ihr Testament zwingend und vollständig Wort für Wort handschriftlich selbst schreiben. Computer und Schreibmaschine sind tabu.
  2. Unterschreiben Sie den Text nebst Ort und Datum mit Ihrem Vor- und Familiennamen.
  3. Bringen Sie klar zum Ausdruck, welche Person was erbt. Es kann zweckmäßig sein, einen Ersatzerben zu bezeichnen, falls der Erbe die Erbschaft nicht annehmen kann oder ausschlägt.
  4. Im Testament können Sie auch ein Vermächtnis bestimmen und einer bestimmten Person, die nicht Erbe wird, einen Vermögenswert zukommen lassen.

Alles in allem: Sie haben es weitgehend selbst in der Hand, Ihr Vermögen so zu verwalten, dass Sie bereits zu Lebzeiten steuerliche Freiheiten nutzen, um Ihre Vermögenswerte für die nachfolgende Generation soweit als möglich zu erhalten.

Siehe dazu auch den Artikel:

Checkliste richtig Vererben - Mein Testament

Besser VererbenBernd ist Bäckermeister in Hamburg und Kind der Erbengeneration Deutschland. Er erhielt nach dem Tod des Vaters den beliebten Bäckershop in Stadtteil Eimsbüttel vermacht. Am Sonntag windete sich die Schlange der Brötchenkäufer bis zur Straße hinaus. Fast hätte er Konkurs anmelden müssen.
Bernd erfuhr es am eigenen Leib - richtig Vererben will gelernt sein. Von daher habe ich eine Checkliste über die wichtigsten Punkte in Bezug auf ein besseres Vermachen zusammengetragen. Auch der Fehler des Vaters von Bernd hätte leicht vermieden werden können. Man bedenke: Wer sich nicht im Vorwege um seinen Nachlass kümmert, vererbt vielleicht an Personen, die er eigentlich nicht berücksichtigen wollte. Ja, sogar der Staat freut sich über ein nicht optimiertes Vererben in Form von (unnötig hoher) Erbschaftssteuer.

Punkt 9

Video-Zusammenfassung

Sie können sich das Thema "Erben und verschenken – was beachten?" noch einmal zusammfassend im folgenden 12-Minuten-Video erläutern lassen:

Punkt 10

Bücher zum Thema

Artikel erstellt in Zusammenarbeit mit Erbmanufaktur

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Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Vom gelassenen Umgang mit Sparen, Geldanlage, Versicherung und Vorsorge

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