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Anlage verrenten: Sofortrente versus Auszahlplan

Wer zum Zeitpunkt des Renteneintritts über die Gnade eines höheren Geldbetrages verfügt, kann diesen zur Aufstockung seiner Rente nutzen. Dabei stehen mehrere Möglichkeiten zur Wahl. Die sicherste Variante ist die Einzahlung in eine private Rentenversicherung mit sofortiger Rentenzahlung (Sofortrente). Wer gerne mehr Ertrag aus seinem Erspartem wünscht und ein höheres Risiko nicht scheut, wählt einen (Fonds-)Auszahlungsplan.

Wir stellen beide Konzepte gegenüber: Wie viel Monatsrente bekomme ich jeweils? Was sind die Vorteile, was die Nachteile bei den beiden Vorgehensweisen?

 
 

Inhalt

  1. Rentenlücke schließen
  2. Sterbetafel
  3. Variante 1: Sofortrente
    - Auch mit Todesfallschutz
  4. Variante 2: (Fonds-)Auszahlungsplan
    - Fragen klären
    - Anlegen nach Risikobereitschaft
    - Den Entnahmeplan gestalten
  5. Fazit

Punkt 1

Rentenlücke schließen

Sven Thieme von der Competent Investment Management empfiehlt: Bevor man sich zu einer Verrentungslösung entschließt, sollte man seinen konkreten Rentenbedarf ermitteln. Wer weiß, wie viel Geld er im Alter benötigt, kann diesen Wünschen seinen bisherigen Ansprüchen gegenüberstellen. Hieraus ergibt sich die Rentenlücke. Wer über die Aufstockung seiner Altersvorsorge nachdenkt, sollte diese Lücke für die Entscheidung über die Verrentung seines Ersparten kennen.

Mehr dazu im Beitrag "Versorgungslücke berechnen".

Punkt 2

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Sterbetafel

Mein Alter
heute
Restliche Lebenserwartung in Jahren für
Männer Frauen
30 54,1 – 56,2 58,1 – 60,1
40 43,6 – 45,0 47,8 – 49,1
50 33,1 – 34,0 37,4 – 38,2
55  28,2 – 28,9 32,3 – 33,0
60 23,5 – 24,1 27,3 – 27,9
65  19,2 – 19,7 22,6 – 23,0
70 15,2 – 15,5 18,0 – 18,4
75  11,5 – 11,7 13,7 – 14,0
80 8,2 – 8,4 9,8 – 10,0
85  5,6 – 5,7 6,6 – 6,8
Die Tabelle liest sich so: Wer laut aktuellen Sterbetafeln momentan 60 Jahre alt ist, hat als Mann im statistischen Durchschnitt noch zwischen 23,5 und 24,1 Jahren zu leben, je nach Schätzungsvariante.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Kohortensterbetafeln (früher auch: Generationensterbetafeln) 1871-2017. Stand: 2018 

Punkt 3

Variante 1: Sofortrente

Die sichere Variante

Bei der Sofortrente handelt es sich um eine klassische Rentenversicherung, allerdings mit Einmaleinzahlung statt jahrelanger Einzahlungen. Es wird üblicherweise nicht in Fonds investiert. Die Rente fließt gleichmäßig und wird bei erfolgreicher Geldanlage des Versicherers sogar ein wenig steigen.

... aber von der Rendite her bescheiden

2012 hat das Handelsblatt errechnet, dass ein 67-jähriger Versicherter durchschnittlich nach 20 Jahren (mit dann 87) sein eingezahltes Geld voll zurückerhalten hat.

Mittlerweile sind die Garantierenten gesunken. Der Testsieger (Europa) aus 2017 von Finanztest zahlt bei einer Einlage von 100.000 Euro eine Leibrente (monatlich, garantiert bis Lebensende) in Höhe von 321 Euro. Das bedeutet: 26 Jahre lang fließt die monatliche Rente, ohne dass 1 Euro Rendite auf die 100.000 Euro angefallen sind.

Das bedeutet – siehe obere Sterbetafel – dass man als Mann - heutzutage - schon unter 60 sein muss, damit man im statistischen Mittel überhaupt sein eingesetztes Kapital als Rentenzahlung zurückbekommt. Wer älter ist,  ist  wahrscheinlich schon vor Rückzahlung seiner Einlage verstorben. Dies gilt aber nur, wenn die Rente im Laufe der Jahre nicht steig.

Die Monatsrente wird steigen, wenn die Rentenversicherer mit der Anlage der Versicherungsgelder Erfolg haben. Die Europa kalkuliert beispielsweise mit einer Rente von rund 370 Euro in 10 Jahren – eine ordentliche Steigerung. Garantiert wird dies aber nicht.

Sofortrente mit Todesfallschutz

Zustatztipp: Wer seine Sofortrente mit Todesfallschutz abschließt bezahlt dies mit einem Rentenabschlag von wenigen Euros im Monat. Dafür erhalten die Hinterbliebenen allerdings einen Teil der eingezahlten Versicherungssumme als Erbe. Dies ist zum Beispiel dann zu empfehlen, wenn Sie Hinterbliebene haben, die auf das Geld angewiesen sind.

Linktipp

  • Bei der Cosmosdirekt können Sie sich bequem die aktuelle Auszahlung einer Sofortrente für Ihr Alter errechnen lassen.

Punkt 4

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Variante 2: (Fonds-)Auszahlungsplan

Wer sich ein wenig mit Geld auskennt und bereit ist, sich jedes Jahr mit seinem Investment zu beschäftigen, der wird wahrscheinlich mit einem Auszahlungsplan mit Fondsanteil mehr von seinem Geld an monatlicher Rente erwirtschaften.

Fragen klären

Vor der Aufteilung der Anlagesumme gilt es, sich darüber klar zu werden:

  • Wie lange soll mein Geld reichen?
  • Soll am Ende noch etwas zu vererben übrig bleiben?
  • Wie riskant möchte ich mein Geld anlegen?

Die Antworten können nur individuell beantwortet werden. Dennoch geben wir einige Empfehlungen:

Als 65-jähriger haben Sie im Schnitt noch knapp 20 Jahre zu leben. Dennoch würden wir die Auszahlungen für mindestens 30 Jahre sicherstellen. Denn die 20 Jahre Lebenserwartung sind ja nur ein statistischer Mittelwert. Sie können leicht über 100 werden!

Soll ich einen Teil des Geldes in Aktien investieren? Viele Experten raten dazu. Risikoscheue Anleger sollten diesen Aktienanteil gering halten, vielleicht ein Viertel bis ein Drittel des Gesamtkapitals. Normale Anleger sind mit einer Fifty/Fifty-Aufteilung gut beraten: Die Hälfte des Geldes in Fonds (ETF) anlegen, die andere Hälfte in Zinsanlagen wie Tages- oder Festgeld.

Zum Entnahmeplan

Soll ich erst die Fonds verkaufen oder umgekehrt?

Ein guter Kompromiss aus Risiko und Renditewahrscheinlichkeit bleibt im Depot erhalten, wenn Zinsanlagen und Aktienanteil ungefähr zu gleichen Teilen entnommen werden. Sprich:

Die Aktien- bzw. Fondsquote der Restsumme bleibt stets konstant.

Wer alles Geld entnehmen möchte, schaue acht bis fünf Jahre vor geplantem Auslaufen des Auszahlungsplanes auf die Lage an der Börse. Sind die Kurse gerade "hoch", so wird der restliche Aktienanteil umgehend aufgelöst und in etwas Festverzinsliches transferiert. Sie die Kurse gerade eher mau, wartet man weiter (ein paar Jahre) auf die Erholung.

Und in welcher Höhe sollte ich entnehmen?

Nun zur monatlichen Auszahlungssumme. Hier stellen wir 2 Varianten vor:

    1. Feste monatliche Entnahme
      Wer von einer Durchschnittsrendite von 4 Prozent pro Jahr des jeweiligen Restvermögens ausgeht, kann bei 100.000 Euro monatlich 471 Euro entnehmen – 30 Jahre lang. Varianten mit anderen Entnahmezeiten oder Zinsszenarien können hier durchgerechnet werden durchgerechnet werden.

    2. Flexible Entnahme
      Finanztest empfiehlt eine andere Auszahlungsvariante: die flexible Entnahme. Dabei wird jeweils so viel entnommen, wie sich aus Restbetrag geteilt durch restlicher Entnahmezeit ergibt.

 Beispiel

  • Restvermögen: 100.000 Euro
  • Restlaufzeit: 360 Monate (30 Jahre)

=> Monatliche Entnahmesumme: 277,77 Euro.

Im Schnitt ergibt sich allerdings eine deutlich höhere Summe: 688 Euro pro Monat.

Dies kam bei den Finanztest-Berechnungen unter der Voraussetzung der Fortsetzung des historischen Zins- und Aktienkursverlaufs (für ein 50/50 Tagesgeld/Fonds-Depot) heraus. Dafür waren aber recht hohe Tagesgeldzinsen nötig, wie es sie bis vor einigen Jahren noch gab. Als die Tester in einem mittleren Szenario nur 1 Prozent Tagesgeldrendite annahmen, konnten 386 Euro im Mittel pro Monat entnommen werden. Immer noch besser als die Sofortrente.

Wie genau soll ich das Geld monatlich entnehmen?

Bei Tages- oder Festgeld ist die Entnahme kein Problem. Komplizierter wird es bei Fonds. Hier kocht jeder Depotanbieter ein eigenes Süppchen. Sie müssen sich bei Ihrer Depotbank erkundigen. Große Anbieter wie Ebase bieten feste Entnahmepläne an.

Bei anderen Banken könnte die Gebühr pro Auszahlung zu hoch ausfallen, dann macht oftmals der jährliche Verkauf eines Fondsanteils mehr Sinn. Die Auszahlung erfolgt dann monatlich über das Guthaben auf dem Girokonto.

Linktipp

  • Test von Finanztest zu Sofortrente versus Auszahlplan hier.

Punkt 5

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Fazit

Wer sofort hundertprozentig sicher fahren will, sich fit fühlt und möglichst eine Frau (wegen der längeren Lebenserwartung) ist, wählt die Sofortrente. Sie ist mehr eine "Versicherung bei Langlebigkeit" als ein renditekräftiges Investment.

Läuft es in den nächsten Jahren ungefähr so weiter, wie es die letzten Jahrzehnte auf dem Kapitalmarkt verlaufen ist, fahren Rentner mit Fonds-Auszahlungsplan deutlich besser. Zudem erhalten die Erben den Rest des Geldes bei vorzeitigem Versterben. Allerdings ist diese Variante mit Risiko behaftet und eventuell mit schwankenden Auszahlungen verbunden. Die Variante Auszahlungsplan ist vor allem denen zu empfehlen, deren Rente weitestgehend gesichert ist oder die sich körperlich nicht mehr ganz so gut beieinander fühlen.

Möglicher Kompromiss: Die ersten Rentenjahre mit einem Fondsauszahlungsplan beginnen, später dann auf eine Sofortrente umsteigen.

Mögliche Alternative: Zahlen Sie ab dem 50. Lebensjahr bei der gesetzlichen Rentenversicherung Zuzahlungen ein. Die Auskunft der Rentenkasse (Tel.: 0800/10004800) wird Ihnen ausrechnen, welche Rentenerhöhungen sich daraus für Sie ergeben.

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