Wie eröffne ich ein Online-Depot? Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Einsteiger
Wenn Sie ETFs, Investmentfonds, Aktien, Anleihen oder Zertifikate kaufen und halten möchten, benötigen Sie in der Regel ein Wertpapierdepot. In diesem Depot werden die Wertpapiere verwahrt und verwaltet. Zahlungen für Käufe, Verkäufe, Dividenden oder Ausschüttungen laufen dagegen über ein separates Verrechnungskonto.
So ein Depot können Sie entweder bei Ihrer Hausbank eröffnen oder Sie entscheiden sich für ein Online-Depot. Letzteres überzeugt zumeist durch niedrigere Kosten und Einsparungen beim Kauf von Fonds oder Aktien. Dafür verzichten Sie u.a. auf einen Ansprechpartner vor Ort. Ist das attraktiv für Sie?
Ein Online-Depot zu eröffnen, ist heute einfacher denn je. Doch gerade als Einsteiger kann die Vielzahl an Anbietern und Optionen schnell überfordern. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie Sie ein Depot eröffnen, worauf Sie achten sollten, und welche Schritte notwendig sind, um als Privatanleger in Deutschland erfolgreich zu starten.
Kurz zusammengefasst
- Definition Online-Depot:
Ein Online-Depot ist ein digitales Konto, über das Privatanleger Wertpapiere wie Aktien, ETFs oder Anleihen kaufen und verwalten können. Es ist die Grundlage für jeden Handel mit Finanzinstrumenten. - Anbieterwahl:
Die Wahl des passenden Anbieters hängt von Kosten, Anlagezielen und der Benutzerfreundlichkeit der Plattform ab. Ein gründlicher Vergleich kann langfristig viel Geld sparen. - Eröffnungsprozess:
Die Eröffnung eines Depots ist unkompliziert und erfolgt in wenigen Schritten: Online-Formular, Identitätsprüfung (z. B. VideoIdent) und Aktivierung. - Kostenkontrolle:
Achten Sie auf Gebühren wie Kontoführungs- oder Orderkosten. Günstige Anbieter eignen sich besonders für Einsteiger oder häufige Trader. - Erste Schritte:
Nach der Einzahlung auf das Verrechnungskonto können Anleger durch einfache Such- und Kaufprozesse ihre ersten Wertpapiere erwerben. - Risiken:
Der Handel mit Wertpapieren birgt Risiken. Deshalb sollten Anleger nur freies Kapital investieren und sich über ihre Strategie im Klaren sein. - Langfristige Perspektive:
Geduld zahlt sich aus. Strategisches Investieren (z. B. Buy-and-Hold-Ansätze) ist besonders für Anfänger empfehlenswert.
Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.
Vorab: Brauchen Sie persönliche Beratung?
Bei einem Online-Depot handeln Sie Ihre Aktien entweder über eine Internet-Eingabemaske oder per Telefon. Bei den meisten Online-Banken dürfen Sie nicht auf eine Beratung am Telefon hoffen. Auch bei Filialbanken sollten Anleger prüfen, ob eine Empfehlung wirklich zu ihren Zielen, ihrer Risikobereitschaft und ihrer finanziellen Situation passt. Wichtig sind außerdem die Kosten des Produkts und mögliche Interessenkonflikte, etwa wenn eine Bank vor allem eigene oder provisionsstarke Produkte anbietet.
Vor der Depoteröffnung: Wofür soll das Geld angelegt werden?
Bevor ein Depot eröffnet wird, sollte zuerst geklärt werden, wofür das Geld angelegt werden soll. Das klingt schlicht, ist aber der Punkt, an dem viele Fehlentscheidungen beginnen. Ein Depot ist kein Ziel. Es ist nur das Werkzeug.
Wer in drei Jahren ein Auto kaufen, eine Immobilie anzahlen oder eine größere Ausgabe finanzieren möchte, sollte anders vorgehen als jemand, der über 20 oder 30 Jahre Vermögen aufbauen will. Für kurzfristige Ziele sind schwankungsreiche Anlagen wie Aktien oder Aktien-ETFs häufig ungeeignet. Der Grund ist einfach: Die Börse hat keinen Kalender, der sich nach den eigenen Plänen richtet. Gerade dann, wenn das Geld gebraucht wird, können die Kurse niedrig stehen.
Für langfristige Ziele, etwa Altersvorsorge, Vermögensaufbau oder die finanzielle Absicherung über viele Jahre, können breit gestreute Wertpapieranlagen dagegen sinnvoll sein. Wichtig ist dabei nicht nur die erwartete Rendite, sondern auch die Frage, ob man zwischenzeitliche Verluste aushalten kann. Wer bei einem Kursrückgang von 20 Prozent sofort schlecht schläft, sollte nicht so tun, als sei er innerlich Warren Buffett mit deutschem Steuerwohnsitz.
Hilfreich ist eine einfache Einteilung:
Geld für laufende Ausgaben und absehbare Anschaffungen gehört nicht ins Depot, sondern auf ein Girokonto, Tagesgeldkonto oder eine andere schwankungsarme Anlage. Geld, das mindestens zehn Jahre nicht benötigt wird, kann eher für breit gestreute ETFs oder andere Wertpapiere infrage kommen. Dazwischen liegt der Bereich, in dem Anleger besonders sorgfältig abwägen sollten.
Die wichtigste Frage vor der Depoteröffnung lautet daher nicht: „Welcher Broker ist der günstigste?“ Die wichtigere Frage lautet: „Wie lange kann dieses Geld investiert bleiben, ohne dass ich es im Alltag brauche?“
Was ist ein Online-Depot überhaupt?
Ein Online-Depot ist im Grunde Ihr digitales Konto für Wertpapiere, ähnlich wie ein Girokonto für Ihr Geld. Es ermöglicht Ihnen, Aktien, ETFs, Fonds oder Anleihen zu kaufen, zu verkaufen und zu verwalten. Die meisten Online-Depots bieten Ihnen außerdem Tools, mit denen Sie Ihre Anlagen analysieren und verwalten können.
Kurz gesagt: Ohne ein Depot können Sie keine Wertpapiere handeln. Die Wahl des richtigen Depots ist also der erste und wichtigste Schritt, wenn Sie mit dem Investieren beginnen möchten.
Depot, Verrechnungskonto und Referenzkonto: Drei Begriffe, die man kennen sollte
Bei der Depoteröffnung tauchen meist mehrere Kontobegriffe auf. Sie klingen ähnlich, haben aber unterschiedliche Aufgaben.
- Das Depot ist der Ort, an dem Wertpapiere verwahrt und verwaltet werden. Dort liegen also zum Beispiel Aktien, ETF-Anteile, Fondsanteile oder Anleihen. Geld liegt dort nicht im eigentlichen Sinne.
- Das Verrechnungskonto ist das Konto, über das Käufe und Verkäufe abgewickelt werden. Wenn Wertpapiere gekauft werden, wird der Kaufbetrag vom Verrechnungskonto abgebucht. Wenn Wertpapiere verkauft werden, landet der Erlös dort. Auch Ausschüttungen, Dividenden oder Steuerabbuchungen können über dieses Konto laufen.
- Das Referenzkonto ist häufig das Girokonto, von dem Geld zum Broker überwiesen wird und auf das Auszahlungen zurückgehen. Manche Anbieter arbeiten mit einem separaten Verrechnungskonto, andere binden das Depot stärker an ein bestehendes Konto an.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig, weil sie hilft, den Geldfluss zu verstehen. Wer einen ETF kauft, bezahlt ihn nicht „aus dem Depot“. Das Depot hält nur den ETF. Bezahlt wird über das Verrechnungskonto. Klingt trocken, verhindert aber später viele Missverständnisse.
Entscheiden Sie, in welche Wertpapiere Sie anlegen möchten
Sie können die Wahl Ihres Online-Depots allein von den Kosten abhängig machen. Aber es gibt eine Vielzahl an Unterschieden bei den Depotanbietern. Unter anderen führen nicht alle dieselben Fonds, haben unterschiedliche Ausgabeaufschläge oder bieten bestimmte Anlagearten gar nicht an.
Unser Vorschlag: Entscheiden Sie zunächst, welche Anlagen Sie tätigen möchten und vergleichen Sie mit diesen Werten die Kosten bei den unterschiedlichen Banken. Je nach Ihren Investitionsbereichen können Limitgebühren, Grundgebühren, Ordergebühren etc. hinzukommen.
Der beste Tipp in 95 % aller Fälle:
Beschränken Sie sich auf die Geldanlage in ETF!
Hier auf Geld-Welten.de raten wir normalen Anlegern dazu, sich bei ihren Börsenaktivitäten auf breit streuende und gleichzeitig kostengünstige ETF zu konzentrieren. So profitieren Sie von den Renditechancen an den Börsen, vermeiden aber viele der Nachteile, die ansonsten mit dem Handel an der Börse für kleine Anleger einhergehen.
Sprich: Sie müssen sich nicht laufend informieren, verlieren weniger Ihrer erzielten Rendite über die Orderkosten an die Depotbank und streuen trotzdem Ihre Geldanlage breit.
Für viele Einsteiger kann es also sinnvoll sein, zunächst breit gestreute, kostengünstige ETFs zu prüfen, etwa auf globale Aktienindizes. Natürlich gilt: Ob ETFs zu Ihnen passen, hängt jedoch von Ihrem Anlageziel, Ihrer Risikobereitschaft, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer finanziellen Situation ab. Denn auch ETFs können im Wert deutlich schwanken.
MSCI-World-Fonds-Ideen für Ihr Depot
Weltweite Aktienfonds (ETF)
ETF Standard-Empfehlung
- GELD-WELTEN-EMPFEHLUNG (für Basis-ETF ohne Nachhaltigkeitskriterien)
Ein Fonds erfüllt, der folgende Kriterien erfüllt: breit streuend, thesaurierend, physisch replizierend, eingebauter Inflationsschutz, langjährig gute Rendite, kostengünstig. - Anlage: z. B. ETF auf den MSCI World Index, weltweit, ca. 1.500 Aktien.
- Anbieter: verschiedene, z. B. iShares, BNP Paribas, UBS ...
- Wiederanlage der Dividenden? Thesaurierend
- Replikationsmethode: Physisch (Optimiertes Sampling)
- Fondswährung: Euro oder Dollar
- Fondsvolumen: über 500 Millionen
- Laufende Kosten pro Jahr: 0,10 bis 0,20 %
- Günstig erhältlich bei: möglichst kostenlos im Sparplan z. B. bei Scalable Capital*, Trade Republic*, flatex*, ING*, 1822direkt*
Siehe zu allen Fondsempfehlungen:
Nachhaltige ETF-Ideen für Ihr Depot

Gute ETF Standard-Empfehlung
- GELD-WELTEN-EMPFEHLUNG (für Basis-ETF + nachhaltig)
Ein Fonds erfüllt, der folgende Kriterien erfüllt: breit streuend, thesaurierend, physisch replizierend, eingebauter Inflationsschutz, ökologisch inspiriert, langjährig gute Rendite, kostengünstig. - Anlage: z. B. ETF auf den MSCI World SRI Select Reduced Fossil Fuels Index, weltweit, ca. 372 Aktien.
- Anbieter: verschiedene, z. B. iShares, BNP Paribas, UBS ...
- Wiederanlage der Dividenden? Thesaurierend
- Replikationsmethode: Physisch (Optimiertes Sampling)
- Fondswährung: Euro oder Dollar
- Fondsvolumen: über 500 Millionen
- Laufende Kosten pro Jahr: 0,10 bis 0,20 %
- Günstig erhältlich bei: möglichst kostenlos im Sparplan z. B. bei Scalable Capital*, Trade Republic*, flatex*, ING*, 1822direkt*
Siehe zu allen Fondsempfehlungen:
Den passenden Anbieter finden – Depotbank auswählen
Der Markt für Online-Depots ist groß, und nicht alle Anbieter sind gleich. Um den richtigen für Ihre Bedürfnisse zu finden, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
- Wie viel möchten Sie investieren?
Manche Anbieter eignen sich besonders gut für Anfänger mit kleineren Beträgen, während andere eher für erfahrene Anleger mit größeren Summen konzipiert sind. - Welche Wertpapiere interessieren Sie?
Wenn Sie vor allem in ETFs investieren möchten, sollten Sie einen Anbieter wählen, der günstige oder kostenlose ETF-Sparpläne anbietet. - Wie hoch sind die Kosten?
Achten Sie auf Gebühren wie Kontoführungsgebühren, Ordergebühren oder Kosten für Sparpläne. Günstige Anbieter können bei häufigem Handeln viel Geld sparen. - Benutzerfreundlichkeit der Plattform:
Gerade für Anfänger ist eine intuitive Benutzeroberfläche wichtig. Viele Anbieter bieten Demoversionen oder Screenshots, um sich vorab einen Eindruck zu verschaffen.
Zu den in Deutschland bekannten Depotanbietern zählen unter anderem Neobroker, Direktbanken und klassische Banken. Die Konditionen unterscheiden sich je nach Anbieter und können sich ändern. Deshalb sollte ein Vergleich immer anhand aktueller Preis- und Leistungsverzeichnisse erfolgen.
Neobroker, Direktbank oder Filialbank?
Bei der Wahl des Depotanbieters hilft es, die Anbieter grob zu unterscheiden.
- Neobroker sind häufig besonders günstig und stark auf App-Nutzung ausgelegt. Sie eignen sich oft für Anleger, die einfache ETF-Sparpläne oder wenige Standardprodukte handeln möchten. Dafür ist das Angebot an Handelsplätzen, Ordertypen oder Serviceleistungen teilweise begrenzter.
- Direktbanken bieten meist einen Mittelweg. Sie sind häufig günstiger als Filialbanken, haben aber oft ein breiteres Produktangebot als reine App-Broker. Viele Direktbanken bieten zusätzlich Girokonto, Tagesgeld, Kreditkarte oder Baufinanzierung an. Das kann praktisch sein, muss aber nicht für jeden Anleger entscheidend sein.
- Filialbanken sind meist teurer, können aber persönliche Beratung und einen Ansprechpartner vor Ort bieten. Das kann für Menschen sinnvoll sein, die komplexere finanzielle Fragen haben oder bewusst nicht alles allein online erledigen möchten. Wichtig ist dabei, Kosten und Produktempfehlungen kritisch zu prüfen.
Die beste Wahl hängt also nicht nur vom Preis ab. Entscheidend ist, wie jemand tatsächlich investiert: regelmäßig per ETF-Sparplan, gelegentlich per Einzelorder, mit Beratungsbedarf oder vollständig selbstständig.
Online-Depots für einen ETF-Sparplan
Welchen Broker bzw. Depotbank für meinen ETF-Sparplan auswählen?
Welcher Broker ist für meinen Wunsch-ETF am günstigsten? Das lässt sich pauschal nicht sagen. Aktuell zeichnet sich ab, dass viele jüngere Anleger den Handel über das Smartphone schätzen. Broker bzw. Banken, die diesen Service anbieten, werden auch Smartphone-Broker oder Neobroker genannt. Aber mittlerweile bieten auch viele Direktbanken Handel und Verwaltung vom Depot per App an - vom Smartphone und vom Desktop.
| Gute Broker für meinen ETF-Sparplan | ||||||
| Broker | Spar- pläne gesamt |
Spar- pläne gratis |
Jährliche Depot- gebühr1 |
Sparrate- gebühr2 |
Mindest- sparrate |
Börsen- plätze3 |
| Scalable Capital* | über. 3.100 | über. 3.100 | 0 € | 0 € | 1 € | G, X |
| flatex | ca. 1.800 | ca. 1.800 | 0 € | 0 € | 25 € | über 3 |
| Traders Place | ca. 1.800 | ca. 1.800 | 0 € | 0 € | 1 € | über 3 |
| Trade Republic* | über 2.600 | über 2.600 | 0 € | 0 € | 1 € | LS |
| DKB | ca. 2.000 | ca. 470 | 0 € | 1,5 € | 25 € | über 3 |
| ING | ca. 1.200 | ca. 1.200 | 0 € | 0 € | 1 € | über 3 |
| Smartbroker* | ca. 2.300 | ca. 2.300 | 0 € | 0,2 % | 1 € | über 3 |
| Comdirect | ca. 2.000 | ca. 2.000 | 0 € | 1,5 % | 1 € | über 3 |
| Postbank | ca. 340 | ca. 340 | 0 € | 0,90 € | 25 € | über 3 |
| 1822direkt* | ca. 1.200 | ca. 180 | 0 € | 1,5 % | 25 € | über 3 |
| Consorsbank | ca. 1.550 | ca. 1.550 | 0 € | 1,5 % | 10 € | über 3 |
| Finanzen.net Zero | ca. 2.000 | ca. 2.000 | 0 € | 0 € | 1 € | G |
| N26 | ca. 1.800 | ca. 1.800 | 0 € | 0 € | 1 € | TE |
| Deutsche Bank maxblue | ca. 360 | ca. 340 | 0 € | 1,25 % | 25 € | über 3 |
| Justtrade | ca. 200 | ca. 200 | 0 € | 0 € | 25 € | LS, Q, TE |
| Sparkassen Broker* (S-Broker) | ca. 2.400 | ca. 1.000 | 0 € | 2,5 % | 20 € | über 3 |
| Targobank | ca. 100 | 0 | 01 | 2,5 %, max 3 € | 50 € | über 3 |
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Anmerkungen |
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Können Sie etwas korrigieren oder ergänzen?
Können Sie einen Punkt in der Tabelle korrigieren oder einen wichtigen Punkt zu einem der Broker ergänzen?
Vielen Dank für jeden Hinweis!
Depotanbieter-Vergleich
Nutzen Sie auch unseren Depotvergleich:
Ein Kriterium könnte auch sein, dass die Online-Depot-Bank gleichzeitig ein attraktives Tagesgeldkonto anbietet. Sie sparen sich dann ein Konto, vereinfachen Ihre Geldanlage. Das ist sicherlich ein paar Euro Mehrkosten (für Depotgebühren) pro Jahr wert.
Depot-Tipps
- Online als Ergänzung
Sie möchten bei Ihrer Hausbank bleiben? Kein Problem, lassen Sie sich einfach zusätzlich für das Online-Depot freischalten. So können Sie die Order kostenvergünstigt über das Internet absenden. - Jährliche Fixkosten
Online-Depots werden oft ohne Verwahrkosten geführt - ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen "normalen" Depots. - Pauschale Orderkosten
Manche Online-Banken bieten einen Pauschalsatz für eine Order an. Das ist ein großer Vorteil, wenn Sie viel handeln wollen. Allerdings sollten die restlichen Kosten des Depots deswegen nicht ärgerlich hoch sein. - Fokus auf Neuemmissionen?
Möchten Sie Neu-Emissionen von Aktien zeichnen? Dann wählen Sie beim Depotwechsel eine Bank, die viele Aktien „an den Markt“ bringt. Ihre Zuteilungschancen sind dort oft höher.
Nicht nur auf die Ordergebühr schauen
Viele Depotanbieter werben mit sehr niedrigen oder sogar kostenlosen Orders. Das ist für Anleger erfreulich, aber nicht die ganze Geschichte. Wer Kosten vergleichen will, sollte nicht nur auf die sichtbare Ordergebühr achten.
Wichtig sind auch Spreads. Der Spread ist der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Je größer dieser Abstand ist, desto ungünstiger kann der Handel für Anleger werden. Besonders außerhalb der üblichen Börsenzeiten oder bei weniger gehandelten Wertpapieren kann der Spread höher ausfallen.
Auch der Handelsplatz spielt eine Rolle. Manche Broker ermöglichen den Handel über viele Börsenplätze, andere leiten Orders vor allem an bestimmte Handelspartner oder Handelsplätze weiter. Das muss nicht automatisch schlecht sein, sollte aber verstanden werden. Ein niedriger Preis pro Order hilft wenig, wenn die Ausführung regelmäßig zu ungünstigeren Kursen erfolgt.
Bei ETFs kommen außerdem die laufenden Fondskosten hinzu. Diese werden nicht als separate Rechnung abgebucht, sondern mindern die Wertentwicklung des Fonds. Auch deshalb lohnt sich ein Blick auf die Gesamtkostenquote des ETFs. Sie ist nicht der einzige Kostenfaktor, aber ein wichtiger.
Für Einsteiger ist daher eine einfache Regel hilfreich: Ein Depot ist nicht automatisch gut, nur weil die Order nichts kostet. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Orderkosten, Sparplankosten, Spreads, Handelsplätzen, Produktangebot, Bedienbarkeit und Zuverlässigkeit.
Checkliste vor der Depoteröffnung
Vor der Eröffnung eines Online-Depots sollten die wichtigsten Punkte geklärt sein. Diese kurze Checkliste hilft dabei:
- Anlageziel: Ist klar, wofür das Geld angelegt werden soll?
- Anlagehorizont: Kann das Geld langfristig investiert bleiben, idealerweise über viele Jahre?
- Risikobereitschaft: Sind zwischenzeitliche Kursverluste psychologisch und finanziell tragbar?
- Notgroschen: Gibt es eine ausreichende Rücklage außerhalb des Depots?
- Produktwahl: Ist klar, ob Einzelaktien, ETFs, Fonds, Anleihen oder Sparpläne genutzt werden sollen?
- Kosten: Sind Ordergebühren, Sparplankosten, Spreads, Handelsplätze und laufende Produktkosten geprüft?
- Steuern: Wurde ein Freistellungsauftrag eingerichtet oder zumindest vorgemerkt?
- Bedienbarkeit: Ist die Plattform verständlich genug, um Orders sicher aufzugeben?
- Sicherheit: Ist bekannt, bei welcher Bank das Verrechnungskonto geführt wird?
- Dokumentation: Können Abrechnungen, Steuerunterlagen und Depotübersichten einfach heruntergeladen werden?
Wenn mehrere Punkte unklar sind, ist das kein Drama. Es ist nur ein Hinweis, nicht vorschnell zu handeln. Ein Depot lässt sich in wenigen Minuten eröffnen. Eine schlecht verstandene Anlageentscheidung kann deutlich länger nachwirken.
Konto eröffnen
Wenn Sie Ihren Anbieter gefunden haben, geht es an die Eröffnung Ihres Depots. Der Prozess ist in der Regel standardisiert und dauert oft nicht länger als 15 bis 30 Minuten. So läuft es ab:
- Online-Antrag ausfüllen:
Besuchen Sie die Website Ihres Anbieters und klicken Sie auf "Depot eröffnen". Geben Sie Ihre persönlichen Daten ein, darunter Name, Adresse, Geburtsdatum und Steuer-ID (in Deutschland Pflicht). - Identität verifizieren:
Die Verifizierung erfolgt in der Regel online über das VideoIdent-Verfahren oder klassisch per PostIdent. Für VideoIdent benötigen Sie eine stabile Internetverbindung, ein gültiges Ausweisdokument und eine Kamera. - Legitimation durch Steuerinformationen:
Geben Sie Ihre Steuer-Identifikationsnummer an und klären Sie, ob Sie ein sogenannter Freistellungsauftrag (für Steuerfreibeträge auf Kapitalerträge) einreichen möchten. - Depot wird aktiviert:
Nach erfolgreicher Prüfung erhalten Sie die Zugangsdaten und können Ihr Depot aktivieren. Dies kann wenige Minuten oder mehrere Tage dauern, je nach Anbieter.
Meine Risikoklasse festlegen
Sie erhalten einen Fragebogen, aufgrund dessen Sie die Bank in Risikogruppen einteilt. Die Krux: Wenn Sie keine Ahnung vom Börsenhandel haben und das auch alles so eintragen, werden Sie nicht für den Kauf von allen Wertpapieren freigeschaltet. Hier müssen Sie Ihren Weg aus Vorsicht und Wertpapier-Handelsmöglichkeiten finden.
Nach der Depoteröffnung: Die ersten sinnvollen Schritte
Nach der erfolgreichen Depoteröffnung sollte nicht sofort die erstbeste Wertpapierorder folgen. Sinnvoller ist ein ruhiger erster Rundgang durch das neue Depot.
Zunächst sollten Anleger prüfen, ob alle persönlichen Daten korrekt hinterlegt sind. Dazu gehören Name, Adresse, Steueridentifikationsnummer und Bankverbindung. Danach sollte der Freistellungsauftrag eingerichtet werden, sofern er bei diesem Anbieter genutzt werden soll.
Anschließend lohnt sich ein Blick auf das Preis- und Leistungsverzeichnis. Es ist nicht die spannendste Lektüre der Welt, aber deutlich nützlicher als manche Börsenprognose. Besonders wichtig sind Kosten für Orders, Sparpläne, Handelsplätze, Fremdwährungen, Dokumente und Sonderleistungen.
Wer einen ETF-Sparplan anlegen möchte, sollte danach prüfen, ob der gewünschte ETF verfügbar und sparplanfähig ist. Dabei sind Sparrate, Ausführungsintervall, Ausführungstag und Kosten zu beachten.
Erst wenn diese Punkte geklärt sind, sollte Geld auf das Verrechnungskonto überwiesen werden. Danach kann die erste Order oder der erste Sparplan eingerichtet werden. Langsam zu starten ist kein Zeichen von Unsicherheit. Es ist oft schlicht vernünftig.
Geld einzahlen
Um mit dem Handel zu beginnen, müssen Sie Geld auf Ihr Depot einzahlen. Die meisten Anbieter bieten eine direkte Verknüpfung mit Ihrem Girokonto, sodass Sie per Überweisung oder Lastschrift Geld auf Ihr Verrechnungskonto überweisen können.
Einige Plattformen bieten zusätzlich die Möglichkeit, per Kreditkarte oder Sofortüberweisung einzuzahlen – allerdings können dabei Gebühren anfallen.
Erste Wertpapiere kaufen
Jetzt wird es spannend: Sie können Ihr erstes Wertpapier kaufen! So geht’s:
- Marktanalyse:
Recherchieren Sie, welche Wertpapiere für Ihre Ziele geeignet sind. Gerade für Anfänger sind ETFs oft eine gute Wahl, da sie breit gestreut und weniger riskant als Einzelaktien sind. - Wertpapier suchen:
Geben Sie die ISIN oder den Namen des Wertpapiers in die Suchleiste Ihres Depots ein. - Kaufauftrag erteilen:
Legen Sie fest, wie viele Anteile Sie kaufen möchten und zu welchem Preis. Die meisten Depots bieten die Möglichkeit, Markt- oder Limit-Orders zu platzieren. - Order ausführen:
Bestätigen Sie die Order. Je nach Börsenzeit wird der Kauf entweder sofort oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt durchgeführt.
Die erste Order: Market, Limit und Sparplan
Wer zum ersten Mal ein Wertpapier kauft, stößt schnell auf Begriffe wie Market Order, Limit Order oder Sparplan. Diese Begriffe sind weniger kompliziert, als sie zunächst wirken. Trotzdem sollte man sie kennen, bevor man auf „Kaufen“ klickt.
Bei einer Market Order wird das Wertpapier zum nächstmöglichen verfügbaren Preis gekauft oder verkauft. Das ist bequem, kann aber ungünstig sein, wenn der Kurs gerade stark schwankt oder der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufspreis groß ist.
Bei einer Limit Order legt der Anleger einen Höchstpreis für den Kauf oder einen Mindestpreis für den Verkauf fest. Die Order wird nur ausgeführt, wenn dieser Preis erreicht wird. Das schützt vor sehr ungünstigen Ausführungskursen. Allerdings kann es passieren, dass die Order gar nicht ausgeführt wird.
Ein ETF-Sparplan ist für viele Einsteiger die einfachste Variante. Dabei wird regelmäßig ein fester Betrag investiert, zum Beispiel monatlich. Der Vorteil: Man muss nicht ständig entscheiden, ob gerade ein guter Einstiegszeitpunkt ist. Der Nachteil: Auch ein Sparplan schützt nicht vor Verlusten. Er verteilt nur die Kaufzeitpunkte.
Gerade bei der ersten Einzelorder ist eine Limit Order oft die vorsichtigere Wahl. Sie zwingt dazu, sich vorher mit dem Preis zu beschäftigen. Das ist keine schlechte Übung. Die Börse belohnt nicht jeden Klick, aber sie bestraft gelegentlich den gedankenlosen.
Wichtige Tipps und Hinweise
- Kosten im Blick behalten:
Auch kleine Gebühren können sich bei häufigen Transaktionen summieren. Ein günstiger Anbieter spart langfristig Geld. - Langfristig denken:
Investieren ist kein Glücksspiel. Setzen Sie auf eine Strategie, die zu Ihnen passt, und bleiben Sie geduldig. - Risiken beachten:
Wertpapierhandel ist immer mit Risiken verbunden. Starten Sie daher nur mit Geld, das Sie nicht kurzfristig benötigen. - Regelmäßig überprüfen:
Auch wenn eine „Buy-and-Hold“-Strategie sinnvoll ist, sollten Sie Ihre Anlagen regelmäßig prüfen und anpassen.
Erst der Notgroschen, dann das Depot
Ein Depot sollte nicht mit Geld gefüllt werden, das im nächsten Monat für Miete, Reparaturen oder die Steuerzahlung gebraucht wird. Vor der ersten Wertpapierorder sollte ein Notgroschen vorhanden sein. Gemeint ist eine liquide Rücklage, die kurzfristig verfügbar ist und nicht von Börsenkursen abhängt.
Wie hoch diese Rücklage sein sollte, hängt von der persönlichen Situation ab. Wer ein sicheres Einkommen, geringe Fixkosten und keine größeren Verpflichtungen hat, braucht weniger Puffer als eine Familie mit Immobilienkredit, Auto und schwankendem Einkommen. Häufig wird als grobe Orientierung ein Betrag von drei bis sechs Monatsausgaben genannt. Das ist keine Naturregel, aber ein brauchbarer Startpunkt.
Der Notgroschen gehört nicht in einen Aktien-ETF. Er gehört auf ein Konto, auf das man schnell zugreifen kann. Rendite ist hier zweitrangig. Sicherheit und Verfügbarkeit sind wichtiger. Ein Notgroschen ist finanziell gesehen langweilig. Genau das ist seine Aufgabe.
Erst wenn diese Basis steht, sollte Geld ins Depot fließen. So wird vermieden, dass Wertpapiere in einer ungünstigen Marktphase verkauft werden müssen, nur weil die Waschmaschine beschlossen hat, ihren Dienst mit dramatischer Geräuschkulisse einzustellen.
Wie sicher ist ein Online-Depot?
Bei der Sicherheit eines Depots muss zwischen Wertpapieren und Guthaben unterschieden werden.
Wertpapiere im Depot gehören grundsätzlich dem Anleger. Die Bank oder der Broker verwahrt sie nur. Gerät der Depotanbieter in wirtschaftliche Schwierigkeiten, fallen die Wertpapiere in der Regel nicht einfach in die Insolvenzmasse des Anbieters. Sie können normalerweise auf ein anderes Depot übertragen werden. Das bedeutet aber nicht, dass Wertpapiere vor Kursschwankungen geschützt wären. Ein ETF kann im Wert fallen, auch wenn der Broker solide arbeitet.
Anders ist es beim Guthaben auf dem Verrechnungskonto. Dieses Guthaben ist Bankguthaben und unterliegt der jeweiligen Einlagensicherung. Innerhalb der Europäischen Union gilt grundsätzlich eine gesetzliche Einlagensicherung bis zu einem bestimmten Betrag pro Kunde und Bank. Anleger sollten deshalb prüfen, bei welcher Bank das Verrechnungskonto geführt wird und welchem Sicherungssystem sie unterliegt.
Wichtig ist auch: Einlagensicherung schützt nicht vor schlechten Anlageentscheidungen. Sie schützt Bankguthaben im Insolvenzfall der Bank, aber sie ersetzt keine Verluste aus Aktien, ETFs oder Fonds. Wer diese Unterscheidung verstanden hat, hat schon mehr Finanzwissen als mancher Stammtisch mit großer Stimme.
Steuern nicht vergessen: Freistellungsauftrag und Vorabpauschale
Wer ein Depot eröffnet, sollte auch an die steuerlichen Grundlagen denken. Kapitalerträge wie Dividenden, Ausschüttungen und realisierte Kursgewinne unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Kapitalertragsteuer, oft vereinfacht Abgeltungsteuer genannt. Hinzu kommen gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
Wichtig ist der Freistellungsauftrag. Mit ihm können Anleger dafür sorgen, dass Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags nicht automatisch besteuert werden. Der Freistellungsauftrag muss bei der Bank oder dem Broker hinterlegt werden. Wer mehrere Banken nutzt, sollte darauf achten, den verfügbaren Betrag sinnvoll aufzuteilen.
Bei Fonds und ETFs kann außerdem die Vorabpauschale relevant sein. Sie betrifft vor allem thesaurierende Fonds, also Fonds, die Erträge nicht ausschütten, sondern im Fondsvermögen wieder anlegen. Die Steuer darauf kann auch dann anfallen, wenn keine Anteile verkauft wurden. In der Praxis wird sie meist vom Verrechnungskonto abgebucht. Deshalb ist es sinnvoll, dort zu Jahresbeginn etwas Guthaben vorzuhalten.
Dieser Steuerteil muss niemanden vom Investieren abhalten. Er sollte nur nicht erst dann entdeckt werden, wenn der Broker plötzlich Geld abbucht und der Anleger denkt, es handele sich um einen Systemfehler. Manchmal ist es kein Systemfehler. Manchmal ist es einfach das Finanzamt.
Häufige Anfängerfehler beim Online-Depot
Viele Fehler beim Einstieg entstehen nicht aus Dummheit, sondern aus Eile. Das ist beruhigend und unangenehm zugleich. Wer die typischen Stolperfallen kennt, kann sie leichter vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist, ohne klares Ziel zu investieren. Wer nicht weiß, ob das Geld für die Altersvorsorge, den Immobilienkauf oder die kurzfristige Rücklage gedacht ist, wählt leicht das falsche Produkt.
Ein zweiter Fehler ist zu häufiges Handeln. Jede neue Nachricht, jede Kursbewegung und jede Expertenmeinung scheint dann eine Reaktion zu verlangen. Für langfristige Anleger ist ständiges Kaufen und Verkaufen aber selten hilfreich. Es erhöht Kosten, Unruhe und die Wahrscheinlichkeit, genau zum falschen Zeitpunkt aktiv zu werden.
Ein dritter Fehler ist mangelnde Streuung. Einzelaktien können spannend sein, aber sie bündeln Risiken. Wer sein erstes Depot fast vollständig auf wenige Unternehmen, Branchen oder Länder konzentriert, verwechselt Investieren schnell mit Wetten im ordentlichen Gewand.
Auch Produktnamen können täuschen. Ein ETF mit dem Wort „World“ im Namen ist nicht automatisch weltweit im umfassenden Sinne investiert. Ein nachhaltiger ETF ist nicht automatisch moralisch makellos. Und ein kostenloser Sparplan ist nicht automatisch die beste Lösung.
Schließlich sollten Anleger nicht investieren, nur weil ein Produkt gerade stark beworben wird. Werbung ist kein Warnsignal, aber auch kein Qualitätsnachweis. Ein guter Grundsatz lautet: Erst verstehen, dann kaufen. Nicht umgekehrt.
Wann ein Online-Depot nicht ideal ist
Ein Online-Depot eignet sich besonders für Menschen, die ihre Anlageentscheidungen selbst treffen möchten und bereit sind, sich zumindest mit den Grundlagen zu beschäftigen. Es ist aber nicht für jede Situation die beste Lösung.
Wer keine Zeit oder keine Bereitschaft hat, sich mit Risiken, Kosten und Produkten auseinanderzusetzen, sollte vorsichtig sein. Auch wer bei Kursschwankungen schnell nervös wird oder zu spontanen Entscheidungen neigt, kann durch den einfachen Zugang zum Handel eher Nachteile haben. Ein Depot in der Hosentasche ist praktisch. Es ist aber auch eine Einladung, zu oft nachzusehen.
Auch bei komplexeren Vermögenssituationen, größeren Einmalbeträgen, steuerlichen Sonderfragen oder Unsicherheit über die passende Risikostruktur kann professionelle Beratung sinnvoll sein. Diese Beratung sollte transparent erklären, wie sie vergütet wird und welche Kosten mit den empfohlenen Produkten verbunden sind.
Ein Online-Depot ist also kein Gütesiegel für moderne Geldanlage. Es ist ein Werkzeug. Gut eingesetzt, kann es sehr nützlich sein. Falsch eingesetzt, macht es Fehler nur schneller.
Wenn die Technik streikt
Online-Broker sind bequem, solange alles funktioniert. Doch auch Handelsplattformen, Apps oder Login-Systeme können zeitweise ausfallen. Das ist selten angenehm, besonders dann nicht, wenn man gerade eine Order aufgeben oder ändern möchte.
Bei technischen Problemen sollten Anleger ruhig und dokumentiert vorgehen. Sinnvoll ist es, Screenshots zu machen, Uhrzeit und Fehlermeldung zu notieren und zu prüfen, ob der Anbieter eine Störung meldet. Wer dringend handeln muss, sollte nachsehen, ob der Broker alternative Wege zur Orderaufgabe anbietet, etwa telefonisch oder über eine andere Plattform.
Wichtig ist außerdem, nicht aus Ärger hektisch mehrfach dieselbe Order einzugeben. Wenn die Verbindung hängt, kann aus Ungeduld schnell ein doppelter Auftrag werden. Die Börse hat für Nervosität wenig Mitgefühl und für versehentliche Klicks erst recht nicht.
Die Depotwahl ist wichtig, aber nicht für die Ewigkeit
Die Wahl des ersten Depotanbieters sollte sorgfältig erfolgen, aber sie ist keine Entscheidung fürs Leben. Ein Depot kann später gewechselt werden. Wertpapiere lassen sich in der Regel von einem Anbieter zu einem anderen übertragen. Das kann einige Zeit dauern und ist nicht immer völlig frei von organisatorischem Aufwand, aber es ist möglich.
Ein Wechsel kann sinnvoll sein, wenn sich Gebühren ändern, ein Anbieter bestimmte ETFs nicht mehr günstig anbietet, der Kundenservice dauerhaft enttäuscht oder ein anderes Depot besser zum eigenen Anlageverhalten passt.
Trotzdem sollte ein Depotwechsel nicht aus jeder kleinen Unzufriedenheit heraus erfolgen. Wer langfristig investiert, braucht keinen Broker-Hopping-Sport. Wichtiger ist, dass die Grundfunktionen stimmen: faire Kosten, zuverlässige Technik, ausreichendes Produktangebot, verständliche Abrechnungen und eine Bedienung, mit der man auch nach sechs Monaten noch zurechtkommt.
Fazit: Der Einstieg ist einfacher als gedacht
Ein Online-Depot zu eröffnen, ist keine Raketenwissenschaft. Mit den richtigen Informationen und ein wenig Vorbereitung können auch Einsteiger problemlos loslegen. Der wichtigste Schritt ist, sich zu informieren, den passenden Anbieter auszuwählen und dann Schritt für Schritt vorzugehen. Denken Sie daran: Jeder Profi hat einmal als Anfänger begonnen.
Zum Abschluss: Interessante Fakten zum Thema Online-Depot
- Steuer-ID-Pflicht: In Deutschland ist es seit 2018 Pflicht, bei der Depoteröffnung die Steuer-Identifikationsnummer anzugeben. Grund: Automatisierter Steuerausgleich. (Quelle: Bundesfinanzministerium)
- Kostenfalle kleiner Trades: Viele Anbieter haben fixe Ordergebühren. Das macht kleine Investments oft teurer, als es scheint. (Quelle: Stiftung Warentest)
- Nachhaltigkeit im Depot: Nachhaltige ETFs verzeichneten in den letzten fünf Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum. Sie sind besonders bei jungen Anlegern beliebt. (Quelle: Morningstar)
- Psychologie des Investierens: Studien zeigen, dass Menschen mit langfristiger Perspektive durchschnittlich bessere Renditen erzielen. Kurzfristige Spekulation führt oft zu Verlusten. (Quelle: Journal of Financial Economics)
- Gamification-Effekt: Apps wie Trade Republic nutzen spielerische Elemente, um Nutzer zum Handeln zu motivieren – ein Vorteil, aber auch ein Risiko. (Quelle: Handelsblatt)
- Frauen investieren defensiver: Untersuchungen zeigen, dass Frauen seltener handeln, dafür aber langfristig erfolgreichere Strategien verfolgen. (Quelle: Deutsche Bank Research)
- Aktienbesitz in Deutschland: Nur etwa 17% der Deutschen besitzen Aktien – deutlich weniger als in den USA (55%). Online-Depots könnten diesen Trend ändern. (Quelle: Deutsches Aktieninstitut)

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